„Der Shitstorm gehört zum Gesamtkunstwerk“

Interview mit Christian Ulmen

Für seine neue Fernsehshow muss Christian Ulmen bereits Wochen vor der ersten Ausstrahlung harte Kritik einstecken. Feministinnen laufen Sturm gegen die Sendung „Who Wants To Fuck My Girlfriend?“. Das Konzept dafür hat sich Uwe Wöllner, Ulmens Alter Ego, ausgedacht. Ein Gespräch über Satire, Fremdscham und sexistische Kackscheiße

Die Geschichte: Uwe Wöllner, sozialisiert als Kind heutiger Fernsehunkultur hat sich eine Sendung ausgedacht, in der zwei Männer gegeneinander antreten. Der Preis: Ein Kranz mit einer goldenen Schärpe auf der steht „Everybody wants to fuck my girlfriend“. Die dazugehörigen Freundinnen erspielen sich Punkte, indem sie Annäherungsversuche, erotische Angebote oder anzügliche Blicke fremder Männer sammeln. Ein quotengeiler Fernsehredakteur, Gero Schorch, der Uwe Wöllner schon seit Jahren begleitet und vermarktet, hat ihm nun einen Sendeplatz und auch die Moderation der Sendung verschafft. Während Ulmen den Moderator Uwe Wöllner nur spielt, sind die Kandidaten reale Personen.

Herr Ulmen, von Ihrer  Sendung „Who Wants To Fuck My Girlfriend“ gibt es noch fast nichts zu sehen. Der Aufschrei im Netz ist trotzdem gewaltig. Was haben Sie da vor?
Das Konzept der Sendung ist im Gehirn der Figur Uwe Wöllner entstanden. Die Show funktioniert nur mit Uwe. Wöllners komplette Sozialisation fand ausschließlich als Konsument statt. Neben Spielekonsolen und Softpornos im Wesentlichen als Konsument von Fernsehen. Wöllners Muttermilch war „Dismissed“, „Girls Camp“, „Big Diet“.

Wöllner wirkt nicht nur falsch ernährt, sondern auch geistesgestört, krank?
Nein, Uwe Wöllner ist nicht behindert. Man muss ihn sich als Medien-Kaspar-Hauser vorstellen. Statt in Dunkelheit ist er ausschließlich mit dem Fernsehen aufgewachsen. Krank ist er überhaupt nicht. Er hat ja auch Anflüge von Reflexionsvermögen. Das Dschungelcamp findet Uwe zum Beispiel menschenverachtend.

Aber warum ist das Dschungelcamp oder der Bachelor – in dem sich Frauen einem Mann andienen – anders als das, was Sie da machen? Wo ist der Unterschied?
Wir sind sehr viel lustiger als der Bachelor. Und wir überhöhen maßlos, so, wie es nur über eine Kunstfigur möglich ist. Es ist Wöllners Formatidee. Wir stellen sie als Konzentrat seiner Einflüsse in die Welt und nennen das Ganze glasklar so wie es ist. Das ist der Unterschied. Der Bachelor sagt nicht: „Who wants to be fucked by the horny rich man?“, wer will vom reichen geilen Mann beschlafen werden? „Die Schöne und der Freak“ (auch eine menschenverachtende Sendung von Pro Sieben, Anm. d. Red.) heißt auch nicht „Wer ist der größte Vollhonk und wessen Individualität machen wir heute platt?“ Diese Formate tragen alle recht schöne Mäntlein, sie schillern und leuchten mit ihrem hübschen Vorspann, so dass viele Zuschauer gar nicht checken, was daran scheiße ist. Uwe ist einer dieser Zuschauer. Die Versuchsanordnung lautete: was würde sich einer wie Uwe für ne Show ausdenken, nachdem er sein Leben vor dem Fernseher und mit all diesem Kram verbracht hat? Das Ergebnis ist „Who Wants To Fuck My Girlfriend“. Ich finde das plausibel und folgerichtig. […] weiterlesen bei Cicero Online

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